Auf der Bernburger Lokalseite “BBGLIVE – Das neue Stadtmagazin” ist ein interessanter Artikel über Wanderfische in der Saale erschienen.
Als Betreiber der beiden Wasserkraftwerke hier in Bernburg leben wir von und mit der Saale und haben ein großes Interesse an einem gesunden Fluss. Daher ist es schön dass in dem Artikel unsere bestehende Fischaufstiegsanlage erwähnt wird, die wir vor nunmehr 10 Jahren in Betrieb genommen haben. Nachweislich wird diese in den Wandermonaten von täglich vielen Hundert Fischen benutzt um das Wehr in Bernburg zu passieren. Dabei wurden auch schon Fische von mehr als 45 cm Länge beobachtet – also ist der Aufstieg auch für die meisten Meerforellen durchaus möglich. Und wenn wir hoffentlich möglichst bald den zweiten Fischpass zwischen Wehr und Saalemühle bauen dürfen (das behördliche Verfahren dauert nunmehr leider schon mehr als 3 Jahre) wird sich die Durchgängigkeit des Bernburger Wehrs noch weiter erhöhen.
Leider sind für viele Aussagen des Artikels keine Quellen genannt. Insbesondere die angebliche Schädigung von Fischen durch die Strömung an Wasserkraftanlagen ist inzwischen, zumindest für die Anlagenform die an der Saale vorherrscht, wissenschaftlich weitestgehend widerlegt. Und wenn ich mit Anglern spreche, die sehr gerne in der Nähe von Wasserkraftanlagen ihrem Hobby nachgehen, so wird mir fast immer bestätigt: es gibt keine größere Schädigung von Fischbeständen an vernünftig betriebenen Wasserkraftanlagen.
Die Wasserkraft ist zwar eine der kleinsten regenerativen Energieformen in Deutschland, bekommt aber mit den Veränderungen im Rahmen der Energiewende ein immer wichtigere Rolle für die Stabilität der Energieversorgung. Im Gegensatz zu Windkraft und Solarenergie steht Energie aus Wasserkraft sehr konstant zur Verfügung und ist damit für die Planbarkeit in den teilweise hoch belasteten Stromnetzen von hoher Bedeutung.
Wenn wir in Deutschland und Europa die Energiewende schaffen wollen dann werden wir auch in Zukunft leider immer wieder die Abwägung zwischen Klima- und Umweltschutz machen müssen. Für eine dezentrale und regenerative Energieversorgung werden wir neue Hochspannungsmasten, neue Windparks und weitere Solarfelder bauen müssen – manchmal auch zu Lasten von bestimmten Aspekten des vermeintlich immer wichtigen Umweltschutzes. Und auf die Querverbauung in Flüssen werden wir zur Ausnutzung der natürlichen und seit Jahrhunderten genutzten Wasserkraft nicht verzichten können. Es kommt darauf an, dass immer eine vernünftige Abwägung zwischen Energiegewinnung, Eingriff in die Natur und Wirtschaftlichkeit stattfindet.
“Wenn wir die Kurve im Klimaschutz nicht hinbekommen, dann brauchen wir uns auch über den Umweltschutz keine Gedanken mehr zu machen.” – Baden-Württembergische Umweltministerin a.D. Tanja Gönner






Hallo,
ich habe mit Interesse Ihre recht schnelle Reaktion auf den Artikel von BBG-Live gelesen. Es ist schön zu hören, dass ein zweiter Fischpass in Planung ist. Wenn ich mir die beabsichtigte Stelle anschaue, kann dieser auch eine Dimension haben, welche auch kapitaleren anadromen Fischarten den Aufstieg ermöglicht.(Deutscher Rekord beim Altlantischen Lachs z.Z. 22,5 Kg)
Die Aussage, dass durch Wasserkraftanlagen keine ernstzunehmenden Schädigungen am Fischbestand belegbar sind, halte ich für sehr einseitig. Man muss nicht lang googeln, um dem widersprechende Aussagen zu bekommen … z.B. http://www.iglahn.de/artenschutz/html/fischrechen.html …
Allerdings findet man auch Meinungen, welche Ihre Aussage bestätigen … es kommt wie immer auf den Blickwinkel des Betrachters/Gutachters an.
Ohne diese Thematik vertiefen zu wollen, ist Ihr letzter Satz der Entscheidende und mit einer ausrechend dimensionierten und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen errichten Fischaufstiegsanlage wären wir in Bernburg bei solch einem vernünftigen Kompromiss.
Noch eine Anmerkung zu dem Zitat von Frau Gönner … Wir sollten uns in Deutschland auf einen vernünftigen und nachhaltigen Umwelt- und Gewässerschutz konzentrieren und nicht, mittlerweile schon dogmatisch, versuchen im Alleingang eine Klimaveränderung zu stoppen, deren Ursachen sehr umstritten sind. Mich würde mal interessieren, wie die selbsternannten Klimaschützer reagieren würden, wenn wir auf eine Kaltzeit zusteuern würden
…
LG
Holger Köhncke
Angler